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Robin Heckmann, Gründer Green & Tiny

Robin

Gründer von Green& & Tiny, holzbegeisterter Visionär, bergsteigender Schreiberling, schreinernder Geiger
Das verfaulende Tiny House?

Am 04.September 2021 haben wir einen Tag der offenen Tiny House Tür veranstaltet. Das kompostierbare „Japanische Chalet“ befand sich in einem transparenten Baustadium, in der man Einblick hatte in die Schichten der Wände und des Daches, die noch nicht verschlossen waren. Unter anderem wurden die verwendeten Materialien und ihre ökologischen Eigenschaften erläutert.

Rechtzeitig zum Tag der offenen Tür erschien ein ausführlicher Bericht in der Badischen Zeitung über dieses Projekt. Nebst der Überschrift „Nachhaltiges Leben im Minihaus“ stand als Untertitel „Der Schreiner Robin Heckmann baut ein kompostierbares Tiny-House“. Im Großen und Ganzen war der Artikel gelungen. Aber wie das wohl immer so ist, konnte man schon am nächsten Tag Kommentare lesen, die das Projekt zerrissen und ins Lächerliche zogen. Das Wort „Kompostierbar“ ließ offensichtlich manche Gemüter aufwallen. So vermutete jemand, dass das Tiny House schon in den Verfaulungsprozess eintritt, kaum dass es die Werkstatt verlässt.

Nun, man kann dies tatsächlich auch so verstehen, wenn man das partout möchte. Um dem vorzubeugen, schreibe ich diesen Beitrag.

Konstruktiver Holzschutz und die "Kompostierchen"

Natürlich verrottet unser Tiny House uns nicht unter den Fingern weg! Es ist ja schließlich nicht ein Kompost Tiny House, sondern ein kompostierbares Tiny House. Ein feiner aber entscheidender Unterschied. Hier kommen sowohl der konstruktive Holzschutz, die Notwendigkeit des Einsatzes von nachwachsendem Baumaterial als auch dessen Qualität ins Spiel. Aber eines nach dem anderen.

Zunächst zum konstruktiven Holzschutz. Auch kompostierfähiges Material braucht ein entsprechendes Milieu, worin die Zersetzungsprozesse überhaupt eine Chance haben, das Material in seine biochemischen Einzelteile zu zerlegen. Man lege ein Stück Holz in eine Pfütze, gebe eine Schaufel gesunde Erde oberdrauf und trete es fest in den Untergrund. Dieser Vorgang ist quasi eine Einladung an sämtliche Mikroorganismen unserer Mutter Erde, sich auf das leckere Holzschnitzel zu stürzen und sich daran gütlich zu tun. 

Legt man aber dasselbe Holzstück auf einen großen Stein, der kniehoch über dem Erdboden hochragt, dürften sich die gierigen kleinen „Kompostierchen“ unvergleichlich schwerer tun, die präsentierten Holzzellen aufzuschließen und in eine nur halbwegs schmackhafte Form zu bringen. Die allermeisten von ihnen werden das Handtuch werfen und sich eine leichtere und bekömmlichere Mahlzeit suchen. Nur die absoluten Hardcore Kandidaten unter den Kleinsttieren werden es sich nicht nehmen lassen, ihre Zähne mit dem Lignin zu messen. Und ja, sie werden erfolgreich sein, in zehn Jahren, in vierzig Jahren oder erst in hundert Jahren, je nach Holzart, Positionierung, Lage, Witterung, Wind und Himmelsausrichtung.

In dieser kleinen, aber sehr realen Geschichte, die eins zu eins aus dem wahren Leben draußen in der Natur geschnitten ist, steckt das gesamte Geheimnis des konstruktiven Holzschutzes. Der wichtigste Satz lautet: Stelle dein Bauwerk so auf, dass es auf Dauer nicht feucht wird. Und wenn das schon nicht zu vermeiden ist, dann eben so, dass es wieder rasch trocknen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Viele Generationen von Zimmerern und Schreinern haben sich damit befasst. Sie haben viel Humbug, aber auch viele wahre Schätze geschaffen. Das zeigt, wie schwer es manchmal sein kann, eine simple Holzkonstruktion so zu platzieren, dass es einerseits zu welchem Zweck auch immer dient, zum anderen aber jederzeit trocken ist oder wieder rasch trocknen kann, sollte es doch einmal feucht werden.

Holz und Steine, kompostierbar
Das Naturgesetz der Vergänglichkeit

Da uns Holz über Tausende von Generationen hinweg reichlich zur Verfügung stand, und sich dieses Material in der Gesamtheit seiner Eigenschaften immer wieder als das High End Produkt schlechthin herausstellte, fällt es nicht schwer, zu verstehen, dass der Mensch, ob er nun auf Kamtschatka, im Amazonas oder im Schwarzwald lebte, seit jeher sich dieses Materials bediente und sich damit seine unmittelbare Umgebung schuf. Er musste nur ein paar Dinge beachten, wenn ihm daran gelegen war, dass seine Bauwerke ein wenig länger halten sollten als er selbst. Und die Not machte erfinderisch: er lernte und verstand die Gesetze der Vergänglichkeit und damit auch, wie man sie verzögern konnte.

Und auch wir von Green & Tiny haben gelernt, wie man richtig baut und eine lange währende Freude am Bauwerk hat. Die fachgerechte Anwendung des konstruktiven Holzschutzes beschert unseren Tiny Houses ein viele Jahrzehnte langes Leben. Ganz ohne zusätzliche Holzschutzmittel. Und es bewahrt sie vor vorzeitiger Verrottung. Gleichzeitig ist die Lösung des Problems der Entsorgung in unseren Tiny Houses von Anfang an schon integriert. Es müssen lediglich die Komponenten aus dem Tiny House entfernt werden, die dem Boden Schaden zufügen würden und daher nicht in ihn hineingehören. Die Elektrik, die Wasserrohre, die Fenster, der eventuell vorhandene Akku… Anschließend muss es tatsächlich nur noch der Natur übergeben werden.   

Holzhaus kompostierbar?
Der schnelle Abschied von Deiner Immobilie

Es wird oft unterschätzt, welchen Schaden man sich ins Haus holt, wenn man nichts gegen ein undichtes Dach unternimmt. Es ist praktisch der schnellste und sicherste Weg, sich von einer Immobilie zu verabschieden! Das Wasser dringt in das Haus ein und sammelt sich im kühlen Inneren des Hauses, wo kein trocknender Wind weht. Das Wasser selbst ist harmlos, aber die Mikroorganismen, die sich nach und nach unweigerlich ansiedeln, beginnen mit dem, was sie am besten können. Dem Verspeisen des nassen Holzes.

Ihr Zerstörungswerk ist aber zugleich ein Segen, denn ihre Ausscheidungen sind das, was unsere Erde so wertvoll macht: reinster Humus. Mit ihrer zersetzenden Tätigkeit tragen sie also wesentlich zu einer Gesundung unserer ausgelaugten Böden bei und sind daher herzlich willkommen. Wann dieses Festmahl der „Kompostierchen“ allerdings stattfindet, haben wir in der Hand. Wir können bestimmen, wann es losgeht.

kompostierbar? Holzhaus
Auch Mikroorganismen wollen gutes Futter

Ebenso haben wir es in der Hand, von welcher Qualität die zukünftige Nahrung für unsere Mikroorganismen ist. Wurde das Holz zum Beispiel lackiert, imprägniert oder mit Kunstharzen zu Platten gepresst, sollte man von den „Kompostierchen“ gewiss nicht erwarten, dass sie daraus einen gesunden Humus produzieren. Chemische Rückstände verschwinden nicht einfach so, auch wenn der Boden noch so unbelastet aussieht. Sie sind trotz allem da.

Es liegt auf der Hand: ist der Stoff, den man den Mikroorganismen zu fressen gibt, von guter Bioqualität, also zum Beispiel reines unbehandeltes Holz, kommt natürlich auch ein guter, gesunder, unbelasteter und robuster Humus dabei heraus.

Abschließend zu diesem Punkt möchte ich noch das folgende etwas drastischere Szenario malen. Solltest Du aus welchen Gründen auch immer den Drang verspüren, Deinem Tiny House von Green & Tiny beim Verrotten zuzusehen, dann braucht es wahrlich nicht viel.

Mit dem Einsatz einfacher aber recht brachialer Kräfte, sprich einem Kran oder einem Bagger, legst Du Dein Tiny House von Green & Tiny auf die Seite, so dass das Gras gegen die eine Seite drückt und der Regen auf die andere Seite niederfällt. Nach wenigen Wochen, bei geeignetem Wetter auch nach wenigen Tagen, werden ein Krabbeln und ein Schmatzen einsetzen. Das Buffet ist eröffnet! Der gesamte Tiergarten der Mikroorganismen wird sich aufgrund der überaus schmackhaften Mischung aus Lignin, Wasser und Erde einfinden, sich einnisten und sich dran machen, das gesamte Gebilde über die nächsten Jahre zu zerlegen.

Ist der Baustoff in echter Bioqualität, brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen wegen der Gesundheit des entstehenden Bodens. Nachdem auch der letzte Gang  verspeist worden ist, wird neben etlichen vor sich hin rostenden Schrauben nur ein einfacher, kleiner Erdhügel mit reinstem, fruchtbarstem Humus Dich daran erinnern, dass dort einmal ein Tiny House von Green & Tiny gestanden ist.

Kompostierbar
Der Traum vom Plastik

Das war der erste Aspekt. Nun komme ich zum zweiten und der ist ebenso wichtig wie der erste. Denn es geht um unser aller Gesundheit. Damit meine ich auch die unserer irdischen Mitbewohner. Ohne deren Wohlergehen werden wir alle nach und nach krank werden und vergehen. Wie vorhin erwähnt, geht es um echte Bioqualität. Dazu aber zunächst ein Gegenbeispiel. Man stelle sich ein Häuschen vor, das vom Boden bis zur Decke aus hunderten von äußerst komplexen Kunststoffverbindungen, deren ursprünglicher Rohstoff Erdöl war, zusammengepresst ist. Solche Häuschen gibt es sehr viele, die meisten auf Rädern. 

Zu deren Produktion werden Materialien verwendet wie zum Beispiel glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) Polyvinylchloride (PVC), extrudiertes Polystyrol (als Dämmmaterial), Polycarbonat (= PC), Polypropylen (PP), Polytetrafluorethylen (PTFE), Polyethylenterephthalet (PET). Die Namen sind vielfältig, und zeugen von einer großen Kreativität in den Chemielaboren. Und keine Frage, die erzielten Eigenschaften dieser künstlich erzeugten Stoffe sind bemerkenswert und bringen auch wirklich große Vorteile mit sich. Sie sind unter anderem leicht, in der Regel wasserfest, torsionsbeständig und in fast jeder beliebigen Form herzustellen. Ein Traum, möchte man meinen.

Sie haben aber nun mal den Nachteil, dass sie sich nicht wieder in die Erde zurück verfrachten lassen, ohne dass sie Schaden anrichten. Der Produktionsprozess lässt sich nicht umkehren. Was mal Erdöl war, kann nicht wieder zu Erdöl werden. Und da sie sich, anders als Holz, auch nicht in Erde verwandeln können, bleiben uns diese Kunststoffe also auf „ewig“ erhalten. Aus dem anfänglichen Segen wird schnell ein Fluch, denn wir werden sie nicht mehr los. Sichtbare Folge dieser Kunststoffschwemme sind die wachsenden Müllberge in allen Ländern und in unseren Meeren. Sie haben für das ökologische Gleichgewicht und für die betroffenen Menschen in der Region verheerende Folgen. Auf die Gesundheit und auf das gesamte soziale Gefüge.

Plastik
Cradle to Cradle und die Kunststoffblase

Es gibt einen Lösungsansatz. Damit sie noch irgendeinem Zweck dienen, müssen diese Kunststoffe recycelt und wiederverwendet werden. Das gelingt bei manchen Kunststoffen allmählich ganz gut, aber bei den meisten kaum. Theoretisch bräuchte man für die Erzeugung von Kunststoffen kein Erdöl mehr fördern, sollte das Recyceln sämtlicher Kunststoffe irgendwann einmal gelingen. Das Konzept dazu gibt es bereits: Cradle to Cradle (siehe auch „Ökobilanz“).

Dieses Konzept sieht vor, dass sämtliche verbrauchten natürlichen Stoffe in den natürlichen Kreislauf wieder einfließen und sämtliche verbrauchten technisch erzeugten Stoffe wieder in den technischen Kreislauf einfließen. Eine strikte Trennung dieser beiden Kreisläufe ist allerdings notwendig. Denn nur so würde unsere Erde unbeschadet „davonkommen“, da es dann – rein theoretisch – keine Mülldeponien mehr gäbe, sondern nur noch „Wiederaufbereitungsanlagen“ für Kunststoffe. Diese würden also abwechselnd mal in Form von Produkten im Umlauf sein und mal als „Patienten“ in einer Industrieanlage einem Umwandlungsprozess unterworfen und als neues, recyceltes Produkt hervorgehen.    

Ich begrüße es sehr, dass diese Wiederaufbereitung von Kunststoffen bereits überall gemacht wird. Wie zum Beispiel bei derFirma Wildplastic aus Hamburg. Sie hat sich darauf spezialisiert, „wildes“ Plastik aus den Meeren zu fischen und daraus unter anderem „Wildbags“ zu erzeugen. Also Taschen aus „wildem“ Kunststoff! Ich denke, ihnen wird der Rohstoff für dieses engagierte Ziel gewiss nicht ausgehen!

Trotzdem, die schiere Menge an weltweit kursierenden Kunststoffen wird kaum weniger werden. Sie wird bleiben oder – was wahrscheinlicher ist – stetig mehr werden, da die Förderung von frischem Erdöl gewiss nicht aufhören wird. Unsere nun mal existierenden Kunststoffe werden sozusagen in der Schwebe gehalten. Sie dürfen nach dem Konzept des Cradle to Cradle nie „Bodenkontakt“ mit unserer Erde haben, sondern müssen in ihrer eigenen Kunststoffblase bleiben. Wo sie dann – wieder rein theoretisch – keinen Schaden anrichten können.

Eine bessere, nachhaltige Lösung für die um sich greifende Plastikschwemme gibt es nach derzeitigem Stand nicht. Es ist bei Licht betrachtet nur eine notdürftige Notbremse, die uns vor unseren selbst erzeugten Plastikprodukten schützen soll.

Demgegenüber steht nun der Kreislauf der natürlichen Stoffe. Und hier liegt der entscheidende Unterschied zum Kreislauf der technisch erzeugten Produkte. Im Gegensatz zu der Kunststoffschwemme existiert eine „Naturstoffschwemme“ schlichtweg nicht! In ihrer reinen Form gibt es keine Notwendigkeit, natürliche Stoffe in einer eigens für sie kreierten Blase zurückzuhalten.

Hierin liegt die Stärke natürlicher, nachwachsender Rohstoffe. Ihr Handling ist bis auf ganz wenige Ausnahmen auf der ganzen Linie – ob nun während der Produktion, der Nutzung oder bei der Entsorgung – problemlos. Wir sind überzeugt: Kompostierbarkeit ist ein echter Pluspunkt und wird zukünftig für uns alle immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Ökobilanz, Kreislaufwirtschaft
Quelle: Wikipedia

Eine Antwort

  1. Hallo Robin,
    das ist ein interessanter Artikel. Ich habe mich wirklich auch gefragt, warum Du Dein Tiny House „komposterbar“ nennst 😉
    Jetzt macht es Sinn.
    Liebe Grüße,
    Monika

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